Wie alles begann

Dezember 2016. Einen Monat nach unserem Kennenlernen hat Hendrik zum ersten Mal die Kamera zur Hand genommen, um mich zu fotografieren.

Ich fühlte mich schrecklich.

Ich hatte es zwar noch nie besonders gemocht, fotografiert zu werden, doch in diesem Moment kamen so viele unangenehme Gefühle in mir auf, dass es fast nicht auszuhalten war.

Bisher gab es immer einen „guten“ Grund fotografiert zu werden. Vielleicht weil es ein feierlicher Anlass war oder auch weil ich einen besonderen Moment festhalten wollte. Und in den allermeisten Fällen waren natürlich andere Menschen mit auf dem Foto.

Doch mit Hendrik war es etwas völlig anderes.

Jetzt stand ich buchstäblich „im Fokus“.

Bei Hendrik konnte ich nicht einfach ein Standard-Lächeln aufsetzen. Er würde es sowieso durchschauen. Denn er hatte in der kurzen Zeit, in der wir uns kannten, bereits tiefer in meine Seele geschaut als irgendein Mensch zuvor.

Ich konnte mich nicht länger verstecken. Diese Wahrheit brach mit aller Macht über mich herein. Und damit auch all die unangenehmen Gefühle, die für mich damit verbunden waren.

Schmerz. Weil ich glaubte, es nicht wert zu sein, all die bedingungslose Aufmerksamkeit und Liebe von Hendrik zu bekommen. Scham. Weil ich dachte, mit mir sei irgendetwas falsch, weil ich diese Gefühle hatte. Und Angst. Davor, dass Hendrik mich verlassen könnte, weil ich nicht die selbstbewusste Frau war, die ich gern für ihn gewesen wäre.

Ich würde gern behaupten, dass ich diese Gefühle so gut prozessieren konnte, wie ich das heute tun würde, aber die Wahrheit ist, dass ich sehr dagegen gekämpft habe. Mein Widerstand zeigte sich auch in der Wut auf Hendrik, der mich schließlich in diese Situation „gebracht“ hatte, in der ich so viel Schmerz fühlen musste.

Heute weiß ich, dass das alles FÜR mich geschah.

Lisa guckt ernst…für meine Heilung, indem ich lernte, dass ich nicht irgendwie sein muss, sondern so akzeptiert und geliebt werde, wie ich eben bin. Dass ich mich mit all dem, was in mir los ist, zeigen kann und gesehen werde. Dass ich so, wie ich bin, richtig und vollkommen bin.

Begegnungen mit Menschen, die mir solch ein Gefühl schenken, zählen für mich zu den heilsamsten Erfahrungen meines Lebens.

Doch nicht nur die völlig neuartige Erfahrung beim Fotografiertwerden war es, die etwas für mich veränderte. Auch das anschließende Anschauen der Fotos bewegte viel in mir.

Tatsächlich war es sehr schwer für mich, die Fotos zu sehen.

Meine Tränen konnte ich gut akzeptieren. Das war mir vertraut. Doch auf die Bilder, auf denen meine Angst, meine Abwehr und mein Ärger zu sehen war, reagierte ich mit großem Widerstand.

Ich fand mich so hässlich darauf. Und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass jemand einen Menschen lieben kann, der so abweisend aussieht.

Das war, weil ich selbst diese Anteile von mir nicht liebte, wie ich heute weiß. Die Fotos jedoch gaben mir die Möglichkeit, genau das zu üben. Nämlich mir selbst, das Mitgefühl und die Liebe zu schenken, die ich verdiene.

Lisa lacht

Damals ahnte ich noch nicht,

…dass dieser Weg der Selbstliebe auch der Beginn eines neuen Lebens sein würde. Und nicht einmal ansatzweise hätte ich mir erträumen können, dass das, was wir gerade entdeckt hatten, in nicht allzu ferner Zukunft auch anderen Menschen helfen würde.

Und jetzt – nur neun Monate später – ist „The BeSeen-Experience“ geboren. Unser Herzensprojekt, das es Menschen ermöglicht, ihr wahres Selbst zu zeigen und zu erfahren, welch ein heilsames Geschenk es ist, in Liebe gesehen und angenommen zu werden.

Und wenn wir den Mut haben, unsere Masken fallen zu lassen, erkennen wir, was dahinter auf uns wartet:

Freiheit!

 

photocredits: Hendrik Roggemann, The BeSeen-Experience
2018-01-08T11:35:43+00:00 1. Oktober 2017|BeSeen|

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